Trainings-Planung durch die Götter

Meister Asai erhält die Würfel.
Meister Asai erhält die Würfel.

Man soll zwar nichts dem Zufall überlassen, schon gar nicht eine durchdachte Trainings-Vorbereitung, aber manchmal darf man sich auch vom Schicksal leiten lassen. Unter diesem Motto steht zumindest die Aufmerksamkeit, mit der unsere Mainzer Uni-Aikido-Gruppe Meister Asai beim 40-jährigen Jubiläum eine Freude bereiten wollte.

Entsprechend überreichte Bardo Kerz auf dem Jubiläumslehrgang am Ende der ersten Trainingseinheit mit Meister Asai diesem einen etwa Unterarm-langen tief-roten Stoffbeutel. Gespannte Neugierde war auf allen Seiten zu spüren und die zum Vorschein kommenden farbigen Würfel wurden erstmal mit freundlicher Skepsis betrachtet (siehe rechts). Wozu sollen ein roter, ein gelber, ein grüner und ein Naturholz-farbener Würfel dienen?

Die Würfel sind gefallen.
Die Würfel sind gefallen.

Eine kurze Erklärung, dass man hiermit seinen Trainingsplan gestalten konnte, stieß zunächst auf gewisse Verwunderung. Für viele Lehrgangs-Teilnehmer ist das Ganze erst am Sonntag morgen transparent geworden. Wo wir Mainzer schon eine Vorahnung hatten, was uns erwartete, in dem Moment als wir den roten Stoffbeutel am Mattenrand erkannten, wurde die gesamte Pracht des Projekts erst im Verlauf des Trainings offensichtlich. Denn Meister Asai hat die Nummer konsequent durchgezogen:

Nach dem Aufwärmen rief er drei Lehrgangsteilnehmer zu sich und ließ sie mit jeweils einem der farbigen Würfel würfeln (siehe links). Rot zeigte "2. Form". Gelb entschied "Shiho Nage". Grün forderte "Suwari Waza". Und das haben wir dann auch 30 Minuten bewegt (siehe rechts). Mit mehrfachem Zeigen und Ausarbeiten von Details.

... und werden begutachtet.
... und werden begutachtet.

Dann war wieder Würfel-Sitzung in der Mitte der Matte. Nach drei Nicht-Graduierten Helfern war jetzt der 5. Kyu gefordert. Diesmal entschieden die Geister aus dem Stoffbeutel anders. Rot zeigte: "6. Form". Gelb entschied "Sankyo". Grün forderte "Ohne Partner" (siehe unten). Und schon ging es los. Nach dem Übungsleiterlehrgang die Woche davor sehr passend, an dem Meister Asai betont hatte, dass auch alleine bewegen sehr wichtig ist. Entsprechend hat er auch diesem Thema einen großen Teil des Vormittags eingeräumt und insbesondere seine Dan-Träger zu mentaler Präsenz aufgefordert, als diese nach einmaligem Vormachen einer Variante von Uchi Kaiten Sankyo ohne Partner zeigen sollten, was sie gesehen haben.

Eine weitere Würfel-Aktion war nicht notwendig, die Inspiration war da und es ging dann ohne direkten Einfluss der Götter weiter, die ja bekanntlich sowieso nicht würfeln (frei nach Einstein). Aber die Laune war schon von gehobener Natur und wir möchten uns bei Meister Asai dafür bedanken, dass er bei diesem Spass so überaus konsequent und humorvoll mitgemacht hat.

Shiho-Nage Suwariwaza
Shiho-Nage Suwariwaza

Im Folgenden jetzt die einzigartige Nachbau-Anleitung für die vier Würfel. Erstmal eine Übersicht zu den Seiten:

  1. Würfel (rot): 1. Form, 2. Form, 5. Form, 6. Form, 9. Form, 13. Form
  2. Würfel (gelb): Shiho Nage, Irimi Nage, Kote Gaeshi, Kaiten Nage, Ikkyo, Sankyo
  3. Würfel (grün): Omote Waza, Ura Waza, Hanmi han Tachi, Suwari Waza, ohne Partner, Kaeshi Waza
  4. Würfel (natur): Volles Tempo, Partnerwechsel, Technik frei, ganz genau, wer hat so gezeigt?, Machen Sie Dan-Träger fertig!

Der vierte Würfel ist bisher noch nicht zum Einsatz gekommen. Er ist auch für den Zeitpunkt gedacht, wenn während des Übens der Bedarf nach einer gewissen, den Trainer erfreuenden Variation entsteht...

Natürlich können die Würfel-Oberflächen nach eigenen Vorlieben verändert gestaltet werden. Als Einstiegs-Modell sind hier die Schnittmuster der Würfel zum Kopieren auf farbigen Karton, Ausschneiden und Zusammenkleben für den Bastel-freudigen Leser zusammengestellt worden.

Shiho-Nage Suwariwaza
Shiho-Nage Suwariwaza

Wir freuen uns über Erlebnis-Berichte aus den Dojos, in denen diese Art der (un-)willkürlichen Trainings-Gestaltung ausprobiert wird - insbesondere wenn dann die Befürchtung von Bardo wahr wird, dass es eine sinnlose Kombination gibt, die er dann auf dem nächsten Jubiläums-Lehrgang demonstrieren muss...

Text: TN - Frühjahr 2010